Rosch HaSchana – Jüdisches Neujahr

Freitag 13. September 2013 beginnt nach Sonnenuntergang der Erew Rosch HaSchana

Mit dem Ende des jüdischen Jahres erinnert sich der rabbinisch orientierte Jude an die Vergänglichkeit seines Lebens. Im letzten Monat (Elul) ertönt beim täglichen Gottesdienst eindringlich und mahnend das Schofar (Widderhorn). Sein Klang soll eine Art Weckruf für den Zuhörer sein sowie eine Ermahnung, an sein Ende und an den Richter des Lebens zu denken, der auf ihn wartet.

An Rosch HaSchana, dem Neujahrstag am 1.Tischri, zieht man dann Bilanz über das vergangene Jahr. Dabei steht die Sehnsucht nach Vergebung von Schuld besonders im Vordergrund. Nach 3. Mose 23,24 soll Israel am 1. Tag des siebten Monats (= Tischri) den Tag des Schofarblasens als Tag des Gedenkens feiern. Durch das babylonische Exil wurde dieser Tag zum Neujahrstag. Er wird auch als Geburtstag der Welt verstanden und erinnert an die Schöpfung. Nach der Babylonischen Gefangenschaft fanden vom 1.-10.Tischri die Versammlungen des Esra (Neh. 8,2) statt. So beginnen mit Rosch HaSchana zehn Bußtage, die am Abend des Jom Kippur (Versöhnungstag) enden.

Tag der Rechenschaft
Nach jüdischer Überlieferung wird an Rosch HaSchana das Buch des Lebens aufgeschlagen, und Gott sieht auf alles Fehlverhalten und alle Schuldhaftigkeit während des vergangenen Jahres. Der Mensch wird dadurch genötigt, Rechenschaft über sein sittliches und religiöses Verhalten abzulegen. Es gibt nur eine Möglichkeit, sich aus Gottes Gericht zu retten und seine Gnade zu erfahren, indem alles Schuldhafte bereinigt. Deshalb bittet man in diesen zehn Tagen um Verzeihung. Das geschieht selbst Verstorbenen gegenüber, indem man an deren Grab unter Zeugen bekennt und bereut. Nach rabbinischer Vorstellung wenden Umkehr, Gebet und Liebeswerke Gottes Gericht ab. So hofft der rabbinisch orientierte Jude, dass Reue und Wiedergutmachung Gott dazu bewegt, ihn wiederum für ein Jahr in das Buch des Lebens einzuschreiben. Heute kann die Schuld vor Gott wegen des fehlenden Tempels nicht mehr wie in 3. Mose 17,11 gefordert durch Blut gesühnt werden.

Gottesdienste
In der Synagoge herrscht die Farbe Weiß vor. Sowohl der Chasan (Vorbeter) als auch der Schofarbläser tragen ihr weißes Sterbekleid. Anstelle des von Israel geforderten Opfers im Tempel werden die in 4. Mose 28 und 29 geforderten zusätzlichen Opfer für Festtage durch zusätzliche Mussaf-Gebete ersetzt. Im Mittelpunkt der Bußgebete steht der Satz: «Vater, wir haben gesündigt, sei uns gnädig.» Der Gottesdienst dauert ca. fünf Stunden. In ihm wird die Geburt und Opferung Isaaks gelesen – ein biblischer Abschnitt, der aufzeigen sollte, dass Opfer Stellvertretung bedeutet. Wir können vor Gott nur leben, wenn jemand anders sein Blut für uns gibt. Dabei knien unüblicherweise Vorbeter und Gemeinde nieder und berühren mit der Stirn den Boden und zeigen auf diese Weise, wer sie sind vor dem «einen, Heiligen, gelobt sei er». Während der Mussaf- Gebete ertönt das Schofar dreimal. Der erste Teil ist ein Weckruf. Dann folgt der trillernde Siegesruf und im letzten Teil ertönt der Jubelruf, der schrill und laut die Ohren der Hörer füllen soll.

Neujahrstradition
Es ist Brauch, einander an Rosch HaSchana Grußkarten mit guten Wünschen zum neuen Jahr zu senden. In manchen Familien werden zeichenhaft Teile eines süßen Apfels in Honig getaucht und mit dem Wunsch gegessen: «Es möge Gott gefallen uns ein gutes und süßes Jahr zu schenken.» Mit dem Jahreswechsel soll ein neuer Anfang stattfinden.

Hier ein Beispiel eines Neujahrgrusses:

Hier noch eine orthodoxe Version:

Schofar und seine Bedeutung
Nach Maimonides (1135-1204) will das Schofar eindringlich ermahnen: «Wacht auf, ihr Schläfer und denkt nach über eure Taten und gedenkt an euren Schöpfer, und kehrt um zu ihm in Buße. Gehört nicht zu denen, welche die Wirklichkeit verfehlen, indem sie Schatten nachjagen, die ihre Jahre damit vertun, dass sie nichtigen Dingen nachjagen, welche weder Nutzen noch Heil bringen. Habt wohl Acht auf eure Seelen, und bessert euren Charakter. Jeder von euch soll seine bösen Wege und Gedanken verlassen und zu Gott umkehren, dass er euch gnädig sein möge.» Wenn an Rosch HaSchana der letzte Ton des Schofars verklungen ist, dann bleibt das Schofar an den folgenden Bußtagen stumm. Es ertönt erst wieder am Ende des Jom Kippur.

Beispiel von Schofar

Text von Hanspeter Obrist

Jüdische Feste:
Rosch HaSchana – Jüdisches Neujahr
Fasten des Gedalja
Jom Kippur – Der Versöhnungstag
Sukkot – Das Laubhüttenfest
Chanukka – Das jüdische Lichterfest
Tu BiSchwat – Das Neujahrsfest der Bäume
Purim – Ende des Antisemitismus – Überwindung vom Fremdartigen
Pessach / Passah – Die Befreiung
Tischa BeAw – Tröstet mein Volk
Unzählbare Feste doch nur drei gesetzliche Feiertage in Israel

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