Chanukka – Das jüdische Lichterfest

2013: Beginn Mittwoch 27. November am Abend

Der Ursprung des Chanukkafestes liegt in der Geschichte Israels im 2. Jahrhundert vor Christus. 198 v.Chr. kam Israel unter die Herrschaft der Seleukiden, nachdem es zuvor zum Ptolemäerreich (Hauptstadt Alexandria, Ägypten) gehört hatte. Im griechisch-seleukidischen Reich herrschte die Idee vor, dass alle Menschen durch eine einzige Religion verbunden sein sollten. Dem widersetzte sich ein Teil der Juden.

Verfolgung
Unter Androhung der Todesstrafe wurde von den seleukidischen Herrschern das Leben nach den Regeln von Mose verboten. Sogar die Zehn Gebote wurden für ungültig erklärt. Torarollen wurden öffentlich verbrannt. Die jüdischen Feste durften nicht mehr gefeiert, der Schabbat nicht gehalten und die Opfer im Tempel nicht mehr dargebracht werden. Selbst die Beschneidung wurde verboten. Der Höhepunkt der Unterdrückung kam, als Antiochus IV im jüdischen Tempel in Jerusalem einen Zeusaltar errichten ließ, Schweine opferte und ungestraft in das Allerheiligste des Tempels eindrang. Das geschah am 25. Kislew 167 v.Chr. und wurde zum Anlass des Aufstandes der Juden.

Tempelmodell zweiter Tempel obrist-impulseModell vom zweiten Tempel in Jerusalem

Aufstand und Wiederherstellung des Tempeldienstes
Unter der Führung von Judas Makkabäus wurde die vielfache Übermacht des seleukidischen Militärs geschlagen und das jüdische Land von den Feinden befreit. Am 25. Kislew 164 v.Chr., drei Jahre nach der Schändung des Tempels, wurde das Fest der Einweihung des gereinigten Tempels gefeiert: Chanukka. Acht Tage dauerte das Fest (2. Makk. 10,1-8). Der Höhepunkt war das Neuanzünden des goldenen siebenarmigen Leuchters im Tempel. Bei der Reinigung des Tempels, so erzählt es der Talmud, fand sich nur noch ein Krug mit Öl, das von den Nichtjuden unberührt geblieben war. Man erwartete, dass sein Inhalt nur für einen Tag ausreichen würde. Dann geschah ein Wunder: Die sieben Lichtschalen des Leuchters im Tempel brannten mit dem Öl des kleinen Kruges während der ganzen acht Tage des Festes, bis neues Öl nach den Vorschriften hergestellt war. Einige vermuten auch, dass Tempelweihfest eine nachgeholte Sukkotfeier war, da diese acht Tage dauert.

Chanukka an der Klagemauer obrist-impulseChanukkaleuchter bei der Klagemauer in Jerusalem

Der Chanukkaleuchter
Gemäß den acht Tagen, die das Fest dauert, besteht der Chanukkaleuchter aus acht Armen. Jeden Tag wird ein weiteres Licht angezündet. Als neuntes Licht brennt in der Mitte die Dienerkerze, die dafür bestimmt ist, die anderen Lichter anzuzünden. Der Chanukkaleuchter nimmt immer einen erhöhten Platz im Haus ein. Der Leuchter soll für alle sichtbar sein. Ein brennender siebenarmiger Leuchter (Menora), wie er in Gottesdiensten der Reformsynagoge verwendet wird, wird von orthodoxen Juden abgelehnt. Erst in den Tagen des messianischen Heils, wenn der Tempel wieder errichtet und eingeweiht ist, wird die siebenarmige Menora an dem für sie bestimmten Platz im Tempel in Jerusalem wieder leuchten.

Chanukka obrist-impulseChanukkaleuchter bei einem Haus in Jerusalem

Messiashoffnung
Die Siege der Makkabäer wurden zum Symbol für den Selbstbehauptungswillen des jüdischen Volkes, das inmitten einer Welt von Feinden um sein Überleben kämpfen muss. Viele Juden hatten in Judas Makkabäus den von Israel erhofften Messias gesehen, der Israel in die Zeit der Erfüllung des messianischen Zeitalters führen würde. Diese Hoffnung wurde enttäuscht. Bereits einige Generationen später war es mit der von den Makkabäern erkämpften Freiheit für die Juden vorbei. 63 v.Chr. kamen die Römer und 243 Jahre nach dem ersten Chanukkafest wurde das Licht der Menora im Tempel wieder ausgelöscht, als im Jahre 70 n. Chr. Jerusalem und auch der Tempel zerstört wurden. Die Menora wurde den Römern als Trophäe nach Rom gebracht.

Menora obrist-impulseMenora in Jerusalem

Chanukkafest
Die Tage von Chanukka fallen in die Adventstage der Christen. Einige sehen in der Tradition des Lichteranzündens eine Verbindung zu Chanukka, was aber umstritten ist. Zu Chanukka erhalten die Kinder Süßigkeiten. Ein Kreisel gehört auch zur jüdischen Tradition. Heute ist er meist mit Süßigkeiten gefüllt. Zu Chanukka gehört auch der Verzehr Speisen, welche im Öl gebacken wurden, wie Kartoffelpuffer (Latkes, Levivot) mit Apfelmuss und saurer Sahne. Beliebt sind auch die Sufanijot (süße mit Marmelade gefüllt Krapfen, Berliner).

Chanukka Gebäck obrist-impulseSufanijot

Jesus beim Chanukkafest
Nach Johannes 10,22 lehrte Jesus anlässlich des Chanukkafestes im Tempel. Aus dem Zusammenhang wird ersichtlich, dass das Gespräch schon in Johannes 8,12 begonnen haben muss. In diesen Gesprächen ging es um die Messiasfrage und in welchem Auftrag Jesus handelte. Beide Fragen werden bis heute diskutiert und stehen zwischen dem traditionellen Judentum und den Christen.

Jesus selbst bezeichnete sich als Licht der Welt (Johannes 8,12). Damit nimmt er am jüdischen Lichterfest Bezug auf Jesaja 42,67: „Für alle Völker mache ich dich zu einem Licht. Den Blinden sollst du das Augenlicht geben. Alle, die in der Finsternis sitzen, sollst du aus ihrer Gefangenschaft befreien.“ Weiter bezeichnet er sich als „der gute Hirte“ (Johannes 10,11). Damit verweist Jesus auf Hesekiel 34,23, wo Gott verspricht, als Hirte durch den Knecht Davids für seine Schafe zu sorgen. Zusätzlich heilt er einen Blindgeborenen, wie in Jesaja 42 prophezeit wurde. Damit proklamiert sich Jesus als der verheißene jüdische Messias, der mit Gott eins ist. Wie die Dienerkerze am Chanukka-Leuchter die anderen Kerzen entzündet, so werden Menschen aus allen Völkern durch Jesus «angezündet», indem sie erkennen, dass er der jüdische Messias ist. Für messianische Juden hat Chanukka daher noch eine weitere Bedeutung: Sie erinnern sich an diesem Fest daran, dass Jeschua (Jesus) das verheißene Licht der Welt ist.

Text: Hanspeter Obrist

Jüdische Feste:
Rosch HaSchana – Jüdisches Neujahr
Fasten des Gedalja
Jom Kippur – Der Versöhnungstag
Sukkot – Das Laubhüttenfest
Chanukka – Das jüdische Lichterfest
Tu BiSchwat – Das Neujahrsfest der Bäume
Purim – Ende des Antisemitismus – Überwindung vom Fremdartigen
Pessach / Passah – Die Befreiung
Tischa BeAw – Tröstet mein Volk
Unzählbare Feste doch nur drei gesetzliche Feiertage in Israel

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